Weblogs werden gar nicht wahrgenommen

Von Dreibein Peter am 26.06.2007 in Vorsicht Falle | 4 Kommentare



Die Außenwahrnehmung von Weblogs war schon mehrere Male Thema hier in meinem Blog.
Bevor ich hier eine ganze Reihe von Selbst-Links einfüge, gebe ich einfach kurz ein Fazit meiner Einschätzung: Da draußen in der realen Welt werden Weblogs überhaupt nicht wahrgenommen.

Anders als in den USA, wo Watchblogs täglich in den Nachrichten auftauchen, fristen in Deutschland selbst bekannte Blogs zumindest in der Berichterstattung in Presse und Rundfunk ein Nischendasein. Allenfalls als exotische Freaks lassen sich einige der so genannten Promi-Blogger mal vorführen, doch irgendeine nachhaltige, nennenswerte Bedeutung lässt sich daraus nicht ableiten.

Diese Erfahrung hat jetzt auch Farlion gemacht, der in der vergangenen Woche eine Reihe deutsche Politiker zu einem Mail-Interview eingeladen hat. Wie er berichtet, liegt die Zahl der Antworten bei Null, wiewohl er ein gestiegenes Berliner Interesse an seinem Weblog aus seinen Logfiles abzulesen vermag. Als Polit-Blogger nimmt Armin „Farlion“ das natürlich zum Anlass, den Politikern ihre Kommunikativität und Volksnähe abzusprechen. Ich sehe das ein bißchen auch so, bin aber grundsätzlich der Auffassung, daß sich die Politiker (die ohnehin wohl als weldfremd bezeichnet werden können) in dieser Hinsicht nicht vom Gros der deutschen Bevölkerung unterscheiden.

Diese andauernde um-sich-selbst-Kreisen der deutschen Blogosphäre täuscht zwar imense Geschäftigkeit vor, doch draußen wird das gar nicht wahrgenommen. Vielleicht hätte ich in den letzten Satz ein „noch“ einfügen müssen, dann hätte es geheißen „noch nicht wahrgenommen“, aber ich bin mir nicht sicher, wo die Entwicklung des Web 2.0 noch hinführt. Einige sprechen ja ohnehin von einer Blase, die bald zerplatzen könnte.

Vermutlich wird sich die Blogosphäre in zwei Bereiche teilen, diejenigen die eine Außenwirkung haben und wahrgenommen werden und die große Masse derjenigen, die weiter einfach nur so vor sich hin bloggen.

Oder kommt doch alles anders?

Share |


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


4 Antworten : “Weblogs werden gar nicht wahrgenommen”

  1. Diese Ignoranz speziell des deutschen Publikums ist bemerkenswert. Ebenso bemerkenswert ist der extrem gegenteilige Umgang mit Blogs in den USA. Keine Ahnung, warum das so ist, aber es ist nun mal eine Tatsache.
    Ich denke auch, daß die Blogblase bereits am Platzen ist. Das heißt nun nicht, daß es bald keine Blogs mehr geben wird. Es wird da eine Konsolidierung stattfinden, und ein paar wenige Blogs aus den USA werden überleben und dauerhaft eine große Bedeutung erlangen. Ob ein oder zwei deutsche Blogs dabei sein werden, kann man jetzt noch nicht absehen. Ansonsten werden sich Blogs wohl nur als privates Kommunikationsmittel bei Wenigen halten. Dabei wird die Schere zwischen den „Wissenden“, also denen, die moderne Technik nutzen, und den „Unwissenden“, also z.B. Denen, die noch nicht mal das Internet nutzen, weiter auseinander gehen. Das ist schade, aber wohl nicht zu ändern.
    Speziell werden wohl die Meisten, die glauben, mit Hilfe ihres Blogs zum schnellen Geld zu kommen, gewaltig auf die Nase fallen. Das wird nur sehr Wenigen gelingen. Mein Tipp an den Deutschen Durchschnittsblogger: Weiter machen und die Erwartungen mit dem Geldverdienen durch das Blog auf ein bisschen Taschengeld reduzieren.

  2. @Siegfried
    Wobei es durchaus auch Blogger gibt, die aus reinem Idealismus und ohne finanzielle Ziele bloggen. Bei mir findest Du keine Werbung. Das liegt zum einen daran, dass man schnell in eine falsche Schublade gesteckt wird, wenn man politisch bloggt und zum anderen hat selbst Google Probleme, auf politischen Seiten die passende Werbung zu schalten.

    @Peter
    Ich werde auf jeden Fall weiter versuchen, irgendwelche Bundespolitiker zur Kommunikation zu bewegen. Und wenn ich die bis zur Vergasung nerven muss. Nächste Woche werde ich mal meine Telefon-Flat nutzen und ein wenig im Bundestag rumtelefonieren.

  3. @Farlion: Auf jeden Fall solltest Du das tun. Einerseits interessieren mich die Antworten, andererseits weckt es vielleicht das Interesse der Politiker für die Blogosphäre.

  4. Ich bin ja mal gespannt darauf, ob ich über Sekretäre/Sekretärinnen überhaupt hinaus komme.