„Bundesbank entmachtet Sarrazin“, so oder so ähnlich lauten im Moment die Schlagzeilen, die wir in den Medien lesen können. Für mich nichts weiter als die Ausgeburt eines schlagzeilenorientierten schmierigen Sensationsjournalismus. In Thilo Sarrazin haben die Sensationsgeilen, die Dauerbetroffenen und die Gutmenschelnden ein Opfer gefunden und nehmen jetzt jedes noch so kleine Fettnäpfchen, in das Sarrazin allenfalls mit den Zehenspitzen hineintippte, um ihrerseits mit Anlauf und mit beiden Füßen voll hineinzuspringen.
Ich frage mich die ganze Zeit, was hat der gute Mann denn gesagt? Was ist an dem was er gesagt hat falsch? Was ist an dem was er sagte, so schlimm? 67 % der Deutschen stimmen, einer aktuellen Umfrage zurfolge, dem was Sarrazin sagte zu und würden das sofort unterschreiben. Ein großer Teil hat keine Meinung und der kleine Rest, der wedelt jetzt hechelnd mit dem Schwanz.
Erst neulich unterhielt ich mich mit dem Vorsitzenden eines deutsch-türkischen Kulturvereins. Er sieht die Sache ganz ähnlich, ist stolz darauf, daß es hier sehr viele integrationswillige Türken gibt, sieht aber auch die Ghettoisierung in den Großstädten, die Gefahr des dauernden, radikalen Bewahrens der eigenen Kultur und Sprache ohne den Willen, auch auf die Gebräuche des Gastlandes einzugehen oder die Sprache richtig zu lernen. Mein türkischer Gemüsemann vorne an der Ecke sagt es unverblümt: „Sarrazin hat doch Recht!“
Mit großem Unverständnis habe ich die Diskussionen rund um die Eröffnung der hiesigen Moschee verfolgt. Was haben die Politiker hier im Ort und die Bürger nicht alles befürchtet! Was für Gefahren, Beeinträchtigungen und besondere Umstände von einem muslimischen Gebetshaus alles ausgehen könnten… Es wurde schlichtweg der Untergang des Abendlandes befürchtet. Mir drehte sich dabei fast der Magen um, so billig und polemisch wurde da teilweise argumentiert.
Ich finde, jede Glaubensgemeinschaft sollte sich ihre Tempel bauen dürfen, ob es nun Zeugen Jehovas, Muslime oder Käseanbeter sind. Daß es Kommunen gibt, in denen schon die vierte, fünfte oder sechste Moschee gebaut wird und die ganz andere, großstädtische Probleme damit haben und deshalb der Sache einen Riegel vorschieben wollen, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Aber hier vor Ort gibt es viele Muslime, warum sollen die dich dann in irgendwelchen Hinterzimmern zusammenfinden müssen, um ihre Gebete zu verrichten. Die Christen beanspruchen, wo immer sie hinkamen oder hinkommen, doch auch das Recht für sich, gleich ein Haus mit einem Kreuz auf dem Dach aufbauen zu dürfen.
Aber man muß doch, um ein wenig im Bild zu bleiben, die Kirche im Dorf lassen. Wer hierher kommt, um unser schönes Land zu besuchen, der findet an beinahe jeder Ecke einen Touristenführer, der ihm die Schönheiten und Sehenswürdigkeiten unseres Landes in seiner ganz speziellen Sprache erklärt und ihm die kulturellen Besonderheiten, unter Rücksichtnahme auf die Kultur des Herkunftslandes, sorgfältig erklärt. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Gäste aus Brasilien, Japan oder der Türkei kommen.
Diese Leute müssen nicht unsere Sprache erlernen, ich lerne auch nicht Portugiesisch, wenn ich mal nach Lissabon fahre.
Wenn aber jemand hierher kommt, um hier auf Dauer zu leben, hier Kinder in die Welt setzt, die gar keine andere Perspektive haben, als für immer hier zu bleiben und unter uns zu leben, dann erwarte ich einfach ein gewisses Bemühen, sich auf unsere Kultur einzulassen und unsere Sprache wenigstens ansatzweise zu erlernen.
Kein Mensch erwartet, daß sich alle hier lebenden Menschen fremder Herkunft sofort und schlagartig in deutsche Michel verwandeln. Unsere Verwandten, die vor Generationen nach Amerika auswanderten, haben sich auch schwer getan mit Sprache und kultureller Anpassung.
Ich erwarte und fordere nicht einmal, daß sich die hier lebenden Einwanderer anpassen, wie es so oft gesagt wird. Nein, ich freue mich über die kulturelle Bereicherung durch die Menschen aus so vielen unterschiedlichen Ländern. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, daß die Welt nicht mehr nach Grenzen sortiert werden kann, sondern daß bald beinahe jeder, jederzeit überall hin fahren kann.
Ich plädiere nicht für einen ungebremsten Zuzug, aber die die kommen, die können durchaus mit dem was sie mitbringen, eine großartige Bereicherung für uns sein.
Jedoch finde ich, daß wenn sie hier bleiben wollen, dann sollte erkennbar sein, daß sie sich hier wohl fühlen und unserem Land, unserer Kultur und unserem Volk die Ehre erweisen und unsere Kultur, unser Wissen und unsere Sprache sich näherbringen lassen.
Wie kann es denn sein, daß die dritte Generation von Zugezogenen, gleich aus welchem Land, immer noch kein richtiges Deutsch kann?
Das will mir einfach nicht in den Kopf und ich frage mich ernsthaft, ob es da besonders hilfreich ist, wenn man überall auf diesen Umstand Rücksicht nimmt und Kurse, Schulunterricht und Unterweisungen nun ausgerechnet auch noch in der Sprache des Herkunftslandes abhalten muß.
Hier auf dem Lande sieht die Sache ja noch halbwegs rosig aus, aber wer sich einmal in Berlin umgeschaut hat, der weiß, daß Thilo Sarrazin nur beschrieben hat, was Realität ist.
Da haben sich ganz offensichtlich ganze Viertel darauf eingerichtet, unter sich zu bleiben, auf einer fremdländischen Kulturinsel zu verharren und Berührungen mit uns und unserer Kultur auf das bitter Notwendigste zu beschränken. Da wird dann schnell damit argumentiert, die Integration sei so schwierig, weil wir Deutschen uns so sperren würden. Ich glaube allerdings vielmehr, daß die Deutschen, die ja bekanntermaßen im internationalen Vergleich gesehen, sowieso nicht so die allerherzlichsten Gastgeber zu sein scheinen, schlichtweg mit den in ihrem Fremdsein verharrenden Völkern nichts anfangen können.
und
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25 Antworten : “Sarrazin hat doch Recht!”



Dein Sarrazin ist ein fauler Spinner der in seinem Leben noch nie gearbeitet hat. Sein Berlin, dass er beschreibt ist ein kleines Stück ungefähr die Hälfte von Neukölln, die künstlich zum Ghetto gemacht wurde.
Es geht darum wie unter den Nazis bestimmte Menschengruppen pauschal zu diskriminieren um sie dann leichter vernichten zu können. Am Ende dieser Polemiken steht Auschwitz und du weißt dass.
Wir hatten diese Entwicklung bereits einmal und wer jetzt Sarrazin unterstützt, der unterstützt am Ende auch den Massenmord.
Ich werde mich sowohl vor meine türkische Friseurmeisterin als auch vor die Mitarbeiter meines türkischen Supermarktes stellen und der arabische Obsthändler mit seiner Frau der um vier Uhr auf dem Großmarkt einkauft und um 20 Uhr immer noch in seinem Laden steht hat meine Hochachtung. Die Migrantenkinder und Eltern in der Schule meiner Tochter können Deutsch und geben sich sehr große Mühe damit ihre Kinder etwas lernen und auch die kubanischen Zimmermädchen die von ihren Arbeitgebern, übrigens Freunden von Sarrazin, mit weniger als 3 Euro netto abgespeist werden, lernen Deutsch.
Nimm deinen Rassisten und werde mit ihm seelig. Aber sprich nicht über Berlin. Davon hast du nämlich keine Ahnung.
Ich unterschreibe das. Bis vor kurzem habe ich in Berlin gewohnt, drei Jahre lang und kann mir deshalb ein Urteil erlauben. Es ist doch einfach eine völlige Unverschämtheit was mit Herrn Sarrazin gemacht wird. Ich habe mir die Mühe gemacht, das Interview in gesamter Länge zu lesen und glaube fast, dass das die meisten Journalisten nicht gemacht haben. Anders ist es nicht zu erklären, dass sie den Tenor von Sarrazins Aussagen gar nicht verstanden haben.
Man zieht jetzt einzelne Sätze, ja sogar Satzteile aus dem Zusammenhang heraus und stellt Sarrazin in eine rechte Ecke. Da ist man ja immer schnell mit dabei. Kaum schreibt einer was Positives über Türken, sitzen ihm die Clowns von PI im Nacken, kaum schreibt mal einer was Kritisches über Araber oder Türken, so hauen ihm die Gutmenschen (sehr schön übrigens die Formulierung ‚Gutmenschelnden“, das stellt es noch besser dar) die Auschwitz-Keule um die Ohren.
Der obige Kommentar ist undifferenziert und einfach nur eine Unverschämtheit.
Da werden ganz normale Aussagen direkt mit Rassismus, Auschwitz und Türkenhass in Verbindung gebracht. Nichts von alledem ist aus dem Artikel herauszulesen, der Kommentar ist der Gipfel linker Polemik.
Das ist nur der Zipfel des Eisbergs! Seit Wochen wird hier gegen Türken polemisiert. Die Attacke gegen die grossartige Frau Ultan Ulusoy hat der Frau ihren Wahlsieg gekostet.
@Moritz
Du Berlin-Experte hast drei Jahre hier gewohnt. Was bildest du dir eigentlich ein. Ich habe in dieser Stadt jetzt 32 Jahre gewohnt und 6 Kinder aufgezogen. Du erlaubst dir ein Urteil über Berlin. Da lachen ja die Hühner. Ich habe hier Kommunalpolitik gemacht und diverse Problem wie die in Neukölln schon vor Jahrzehnten beschrieben und wurde ausgelacht. Von so Leuten wie du einer bist. Übrigens merkt man bei dir sehr gut dass du bei PI zuhause bist.
@Ergan
Vermutlich hast du Recht. Hier scheint jemand seine Gesinnung drastisch gewandelt zu haben. Eigentlich schade um den Blog.
Das kann man ja wohl nicht gerade sagen. Ich lese hier schon seit Jahren mit, schliesslich ist das eines der ältesten Weblogs überhaupt und ich habe hier noch nie antitürkische Tendenzen feststellen können. Stets werden die Eigenheiten unserer türkischen Mitbürger auf liebevolle und augenzwinkernde Art und Weise aufs Korn genommen. So wie auch die Eigenheiten aller anderen, vor allem der Deutschen, aufs Korn genommen werden.
Ich kenne diesen Jochen Hoff nicht, habe aber mal ein wenig die Suchmaschinen bemüht. Ich glaube, da ist nur einer auf ein Thema angesprungen, auf das er immer und überall in gleicher billiger Weise anspringt.
Verstanden hat er jedenfalls nichts.
@Moritz:
@Moritz:
Frau Ulusoy hat eine Menge Leute betrogen, sie hat nicht einen Prozent der Stimmen gekriegt. Sie wär sowieso chancenlos gewesen. Und wenn dann hat sie sich das selbst verdorben. Ist halt Scheisse wenn eine Kandidatin im Wahlkampf von den Bullen abgeführt wird.
Da hat der Blog hier nur die Wahrheit geschrieben, sachlich und korrekt, ganz im Gegenteil zu den hasserfüllten Schreibereien der rechten Szene.
Manche leben 50 Jahre irgendwo und haben nichts kapiert.
Ich finde es belustigend, wie schnell alleine die geringste berechtigte Kritik am trittbrettfahrenden Gutmenschentum gleich so Hardline wie den Hoff auf die Barrikaden rufen.
@Uljana:
Meine Güte, was soll denn so ein Kommentar? Substanzlos!
@Käthe:
Ich mag dich.
@Jochen Hoff:
@Uljana:
Glaubst du das wirklich?
@Jochen Hoff:
Amüsant, aber ich lasse mich von keinem vor seinen Karren spannen, egal ob der mit dem linken oder mit dem rechten Fuß aufgestanden ist. So einen Stuss habe ich selten gelesen.
@Schwiegermutter:
*gähn*
Eine gut begründete Meinung, die man akzeptieren kann und muss. Ob man sie teilt, das ist eine andere Sache. Ich tue es für meinen Teil.
zu Jochen Hoff kann man eigentlich nur sagen: Don´t feed the Trolls!
Wer auf Hoff antwortet ist selbst Schuld. Allein schon wie plump und kackfrech der hier verbalisiert. Eklig.
@all
Erzählt mir doch noch mal bitte alle wie lange ihr genau in Berlin gelebt hat.
Denn DAS ist schließlich DER Kernpunkt des Blogbeitrags.
Danke
:-Ⅾ
@Stefan: Genau! Und wer am längsten da wohnte, der bekommt das Förmchen und darf ganz alleine einen Sandkuchen backen.
@Dreibein Peter
Einen Sandkuchen? Ist das jetzt nicht zu Deutsch?
Daraus folgt:
@Stefan: Nein, nur Haselnusskuchen ist zu deutsch.
Sing: „Schwarzbraun ist die Haselnuss..“
Ein sehr interessanter Artikel, der mir in weiten Teilen aus der Seele spricht. Herr Sarrazin hat sich zu weit aus dem Fenster gelehnt, für einen Mann in seiner Position wäre einfach eine diplomatischere Sprache besser. Andererseits läuft er dann wieder Gefahr, nur noch politisch korrekt ständig mit der Schere im Kopf zu sprechen. Eine Zwickmühle.
Das was er sagt, das stimmt doch und derjenige, der hier schnell Rassist schreit, der hat das Interview mit Sarrazin gar nicht gelesen, denn es handelt sich eindeutig um eine Liebeserklärung an Berlin in deren Verlauf Sarrazin schon fast voller Verzweiflung einige Punkte förmlich herausschreit, anklagt und auf den Punkt bringt.
Er hat sich in keinem Punkt rassistisch geäußert und wer das mit Auschwitz und der Verfolgung der Juden im Dritten Reich in Verbindung bringt, der hat die deutsche Geschichte nicht verstanden, hat keine Ahnung von Politik und schleudert hier nur vorschnell mit Worthülsen um sich.