In Mannheim werden seit geraumer Zeit etliche Geschwindkeitsmessanlagen der Firma VITRONIC vom Typ PoliScanspeed eingesetzt. In den letzten Monaten waren die Gazetten voll mit Berichten über die angebliche Unzuverlässigkeit der Geräte und sogar vor Gericht stellten Gutachter fest, daß das Messverfahren nicht nachvollziehbar sei. Das aber ist für Richter entscheidend, sie müssen nachvollziehen können, ob und wie die Geräte korrekt funktionieren. Und genau das können sie bei den Poliscanspeed-Geräten nicht, denn die Herstellerfirma möchte ihr Verfahren nicht offenlegen, sie befürchtet dadurch Wettbewerbsnachteile. So bleibt fraglich, ob diese Geräte nun korrekt messen oder nicht.
Vollmundig preist die Herstellerfirma ihren Apparat als wahres Wundergerät an:
Raser können jetzt auch bei dichtem Verkehr und auf mehrspurigen Straßen zur Rechenschaft gezogen werden. Denn mit PoliScanspeed werden alle im Zielkorridor sichtbaren Fahrzeuge gleichzeitig erfasst und aufgenommen. … Verstöße werden sicher zugeordnet und dokumentiert, auch wenn mehrere Fahrzeuge parallel oder dicht hintereinander fahren. Selbst in Baustellen, in Kurven, in Tunnels und an unübersichtlichen Stellen misst PoliScanspeed zuverlässig.
Und genau hier liegt das Problem: Es gibt einen Messkorridor und die als Beweismittel geschossenen Fotos entstehen erst nachdem der Geschwindigkeitsverstoß begangen wurde. Experten zweifeln nicht daran, daß die digitalen Poliscanspeed-Geräte richtig messen, es wird aber bezweifelt, ob nicht innerhalb des Zeitraumes der zwischen Geschwindigkeitsübertretung und Foto liegt, eventuell Veränderungen auf der Straße eintreten, die letztlich ein völlig verfälschtes Bild ergeben. Je höher die Geschwindigkeitsübertretung, umso größer die Gefahr, daß das auslösende Fahrzeug evtl. noch die Spur wechselt und ein völlig unbeteiligtes Fahrzeug dann aufgenommen wird.
„Alles Quatsch“, mögen die Experten der Herstellerfirma sagen, doch daß es nicht so ist oder sein könnte, das beweisen sie auch nicht und da nähere Erkenntnisse über die wirkliche Funktionsweise der Lasersäulen fehlen, wurden tausende von Bußgeldverfahren gar nicht erst bearbeitet. Jetzt fühlt sich die Mannheimer Verwaltung aber offensichtlich sicher genug, um die Bußgeldwelle doch anrollen zu lassen. Man stützt sich auf erneute Gutachten, unter anderem auf eines der Physikalisch-technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Doch auch dort ist man im Grunde zu keinen neuen Erkenntnissen gekommen: Die Funktionsweise der Apparate bleibt im Dunkeln. Anderen Gutachtern fehlen schlichtweg jegliche Informationen über die Funktion der Apparate und sie kommen deshalb in aller Regel zu dem Ergebnis, daß sie keinem Gericht guten Gewissens empfehlen können, sich auf die Messungen und Fotos dieser Apparate zu stützen. Die PTB hat wohl mehr Einblick bekommen, schweigt sich aber „zum Schutze“ der Firma Vitronic ebenfalls über das Funktionsprinzip aus. So hat man nun in Mannheim nur die generelle Erklärung, DASS es funktioniert, weiss aber immer noch nicht WIE es funktioniert.
Und so lange diese Apparate quasi eine esoterisch-homöopathische Wirkungsweise haben, also das wahre Funktionsprinzip eher auf Glauben, als auf Wissen beruht, kann es durchaus sein, daß auch die Wirkung nur bei den einen eintritt und bei anderen nicht. Will sagen: Wenn das Messverfahren weiterhin im geheimnisvollen Dunkel wettbewerblicher Ängste bleibt, sollten alle Gerichte Bußgeldverfahren, die auf Messungen der esoterischen Säulen beruhen, einfach verwerfen.
Ich werde mich dem Thema demnächst intensiver annehmen. Wer von einem Bußgeldverfahren nach einer Messung von Poliscanspeed betroffen ist oder wer sonst Hinweise oder Beiträge liefern kann, ist herzlich eingeladen und aufgerufen, sich bald unter info@dreibeinblog.de an mich zu wenden.


