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Pisa lässt grüssen

Gestern Abend habe ich mir die Sendung „Straßenstars“ angeschaut.
Eine der Kandidatinnen, eine junge Frau wurde gefragt, wann denn ihrer Meinung nach der Dreißigjährige Krieg gewesen sei.

Antwort: „So vor 60 oder 70 Jahren und ich weiß noch, dass der gar keine dreißig Jahre gedauert hat, sondern bloß 10 Jahre oder so, keine Ahnung.“

Naja, Geschichte ist ja auch nicht jedermanns Sache, vielleicht kann sie besser rechnen.


Die nächste Frage lautete nämlich: Wieviel Prozent sind ⅔. Die richtige Antwort wäre 66,666 % gewesen. Die junge Frau muss denn auch nicht lange überlegen und antwortet:

„8 Prozent oder vielleicht 10, ich glaub aber eher 8, nee, ich nehm doch 10. 10 Prozent!“

Heute vor fünf Jahren wurde die erste Pisastudie der Öffentlichkeit vorgestellt. Ich kann nicht feststellen, dass sich irgendetwas verbessert hat. Nur hat das Grauen eben jetzt einen Namen: PISA.

Mein Sohn ist recht gut in der Schule, darauf bin ich als Vater sehr stolz. Allerdings schmälert sich dieser Stolz, wenn ich mir anschaue, mit welchen Leistungen er ein guter Schüler ist.
Offenbar haben Ankes und meine Gene gerade frei gehabt, als der Junge sein Schreib‑/Lesezentrum mit Inhalten füllte. Jedenfalls ist das Erzählen, Lesen und Schreiben nicht so seine Sache.
Jetzt haben die Kinder eine Klassenarbeit im Fach Deutsch geschrieben. Seine Aufgabe war es, einen Aufsatz zu schreiben. Frei sollte er einen Vorfall schildern, bei dem man die Fragen nach dem Wieso, Weshalb, Warum, Wo, Wann, Wer und Wie stellen kann.

Eine Woche später legte er mir die Arbeit vor. Ich habe selten so ein hilfloses Gestammel auf Papier gesehen. Rechtschreibfehler, kurze, abgehackte Sätze, eine kaum leserliche Sauklaue.
Jeder meiner Deutschlehrer hätte mir dafür eine glatte Sechs verpasst.

Nunja, mein Sohn hat eine 2,5 gekriegt, ist doch Klasse, oder?

Lies bitte auch:

1. Pisa läßt grüßen
2. Pisa läßt grüßen –2‑
3. Schulwissen heute
4. Alle lustigen Geschichten findest Du hier!


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39 Kommentare
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  1. Farlion sagt:

    Das ist genau das, was ich in den letzten Jahren immer wieder bemängelt habe. Wenn ich so sehe, dass die Abiturienten teilweise heute auf einem Wissensstand sind, der nicht einmal mehr dem entspricht, was ich vor über 20 Jahren auf der Realschule wissen musste, dann wird mir schlecht.
    Fragst Du heute einen Realschüler nach Goethe oder Schiller, bekommst Du die Antwort „Deutsche Dichter“. Fragst Du aber nach 2–3 Werken von ihnen, erntest Du nur Schulterzucken.

    Unser Bildungssystem ist sowas von am Ende…

  2. gnafu sagt:

    Stimmt leider. Gut, ich hab erst vor knapp 2 Jahren mein Abi gemacht, aber ich merke wie wenig sowas eigentlich nur noch wert ist, wenn ich nach einer Ausbildungsstelle suche. Da will mittlerweile jeder Arbeitgeber im IT-Bereich jemandem mit Abitur und/oder Studienabbrecher. Gut ich kann beides vorweisen und mein Abi ist auch nicht so schlecht, aber es ist schon komisch. Damals.TM als ich mein Realschulabschluss gemacht habe, haben diese Firmen noch Realschüler für die gleichen Jobs gesucht.
    Das beste ist immer noch, als ich mich mit meinem alten Ausbilder unterhalten habe zum Thema Auszubildende und warum sie ihre Lehrstellen nicht voll bekommen meinte er zu mir, dass die meisten Leute die sich in den letzten 2 Jahren beworben haben einfach zu Dumm sind. Die schaffen selbst den einfachen Einstellungstest nicht und da muss man nur ein Lückendiktat auffüllen, ein paar Kopfrechenaufgaben lösen (Dreisatz) und ein paar logische Aufgaben lösen. Da haben die mittlerweile schon ein Ausschuss von 60 % und die nehmen nur noch Realschüler und Abiturienten. Dass ist Krank.

  3. vivec sagt:

    Tja… ich mache mir an dieser Stelle immer Hoffnungen für die Zukunft. Also, für meine :D
    Aber was so aus den deutschen Gymnasien gespült wird, geht gar nicht. Da sind Leute, die sind echt zu dumm zum Scheißen. Das Niveau ist voll im Keller – das fängt schon damit an, dass Leute nicht mehr in der Lage sind, einen grob fehlerfreien Text abzuliefern. Das war vor zwanzig Jahren Standard. Okay, die Rechtschreibreform hat das Ganze etwas verkompliziert, aber das ist keine Entschuldigung für dähmliche Fehler…

  4. Farlion sagt:

    @vivec
    Dämlich kommt von Dame und wird dementsprechend ohne „h“ geschrieben. ;)

  5. Farlion sagt:

    Gerlinde? Sagtest Du was? :)

  6. Gerlinde sagt:

    @Farlion
    Schade, html funktioniert hier scheints nicht – jetzt wirst du nie erfahren, was ich dir sagen wollte :-)

  7. Farlion sagt:

    Was denn? Dass „herrlich“ von Herr kommt? Das wusste ich doch schon. ;)

  8. gnafu sagt:

    Bei fehlerfreien Texten halte ich mich immer ein wenig zurück, da meine Rechtschreibung auch nicht immer die beste ist. Aber es ist grausam zu sehen wie wenig das Abitur nur noch wert ist.

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  12. Bismarck sagt:

    Selten so etwas selbstgefälliges gelesen. Mal abgesehen davon, dass ich mich über meinen eigenen Sohn in der Öffentlichkeit so nicht auslassen würde; Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, gell?

    Und nur so am Rande: Die Studienzeiten sinken, bei gleichzeitg gestiegenen Leistunganforderungen. Seien sie froh, dass die junge Generation Überstunden schiebt für Studien die sie selbst bezahlen muss und vmtl. bis 75 arbeiten darf, nur damit Ihnen später mal jemand die Rente zahlt.

    Mfg

    Bismarck

    PS: Irgendwelchen Leuten auf der Straße überfallartig ein Mikro unter die Nase zu halten und daraus irgendwelche Schlüsse zu ziehen ist schon ziemlich dämlich. Geben sie mir ein Fernsehteam und 20 Minuten Zeit in einer lokalen Fußgängerzone und ich finde für sie garantiert 10 Leute Ihrer Generation, die genauso große Bildungslücken preisgeben, wie Ihre „junge Frau“.

  13. Tentakel sagt:

    Hui, da schreibt ja das Bildungsprekariat. Deine eigene Dummheit, lieber Bismarck, stellst du hier unter Beweis.
    Ich höre schon wieder die Ossis hier durchs Blog pflügen :)

  14. Dann bin ich eben selbstgefällig, wenn ich weiß, wieviel Prozent ⅔ sind. Auch gut. Damit kann ich leben.

  15. Manfred sagt:

    Ich finde das ganz und gar nicht selbstgefällig sondern bin dankbar, daß da jemand mal seinen Finger in die Wunden legt. Unsere Gesellschaft krankt an mangelnder Bildung. Erst heute konnte man hier in einem Kommentar nachlesen, wie ein 12.-Klässler selbst darüber denkt.

    Unsere Jugend ist dumm! Diese Dummheit rührt allein vom mangelnden Interesse am Lesen her. Die Jugend schaut nur noch fern und spielt im Internet herum.
    Würden die Jugendlichen lesen, wüssten sie auch mehr.

    Ich finde den Kommentar von bismarck sehr oberflächlich und der Sache unangemessen. Aber ⅴ ielleicht hat er auch gar nicht verstanden, um was es überhaupt ging. Malt dem das jemand mal auf?

  16. Scheideman Philipp sagt:

    Ich schliesse mich der Meinung von Bismarck an. Es ist unerträglich dieses zur Schau getragene Wissen dieses Blogschreiberlings hier ertragen zu müssen. Die Artikel strotzen nur so von Intelligenz und Esprit. Denken Sie eigentlich auch einmal daran, dass das Internet ein Unterhaltungsmedium ist und keine Bildungsanstalt?

    Hat Ihnen jemand schon mal gesagt, dass zuviel Wissen auch schädlich sein kann?

  17. Yernal sagt:

    Ich bin dankbar, das ich in Deutschland zur Schule gehen darf und etwas lernen kann. Viele meiner Landsleute sehen das nicht so aber das ist denen ihr Problem. Ich lerne auch nach der Schule und gehe auch in die Bücherei. Sie haben recht die Leute lernen doch wirklich nichts mehr. Ich will mehr lernen und mehr wissen. In der Schule lernt man es nicht. Wie sie schreiben ist es richtig

  18. Bismarck sagt:

    „Unsere Jugend ist dumm! Die Jugend schaut nur noch fern und spielt im Internet herum.“

  19. Martina sagt:

    Was will er uns damit sagen?

  20. Sabine sagt:

    Ich liebe dieses Blog und lesen jeden Tag hier mit.
    Ist doch auch okay, wenn jemand das nicht so sieht. Aber Herrn Bismarck finde ich schon ziemlich dumm.

  21. Immerhin hat „Bismarck“ für Erheiterung gesorgt. Das ist doch schließlich auch etwas. :-)
    Außerdem habe ich gesehen, daß er mit „Tentakel“ exakt den 500sten Kommentator angelockt hat.

    Aus solchen Kommentaren mache ich mir nichts. Wenn Bismarck diese Meinung hat, dann ist es doch gut so. Auch wenn ich drüber lachen muss.
    Mein Studium habe ich mir auch selbst verdienen müssen und brauche keine Studenten, die mir meine Rente verdienen. Als Freiberufler muss ich da ganz schön selbst für sorgen.

  22. Bismarck sagt:

    „Mein Studium habe ich mir auch selbst verdienen müssen und brauche keine Studenten, die mir meine Rente verdienen. Als Freiberufler muss ich da ganz schön selbst für sorgen.“

    Als Jahrgang 1959 haben sie sicherlich keine Gebühren für Ihr Studium gezahlt. Da sie ja wie sie schreiben, für die IHK gearbeitet haben, wird durchaus mal jemand einen Teil Ihrer Rente bezahlen müssen. Zugegeben, mein Kommentar ist ein bischen heftig ausgefallen, nur gibt es halt auch Leute denen dieses ständige pauschalisiernde PISA-Genörgel einfach nur noch auf die Nerven geht.

  23. Und sogar die Tätigkeit für die IHK ist ehrenamtlich.
    Und mit dem Pisagenörgel haben Sie Recht. Aber mir geht das wirklich sehr auf den Geist, wenn Leute ihr Unwissen auch noch selbstherrlich zur Schau tragen.
    Um mit dem Philosophen Dieter Nuhr zu sprechen: „Wenn man schon keine Ahnung hat, dann sollte man wenigstens die Fresse halten.“

    Sie haben auch Recht, mit dem was Sie über die „unter die Nase gehaltenen Mikrophone“ schreiben. Ich habe das schon etliche Male behandelt und sehr wohl schon zum Ausdruck gebracht, daß es einerseits jeden treffen kann, eine blöde Antwort zu geben, wenn er so „überfallen“ wird; und logischerweise werden die Spaßinterviewer Dutzende von Passanten interviewen und nur die blödesten Antworten senden.

    Bei der Sammlung von blöden Antworten aus dem IHK‑ und Ausbilderalltag handelt es sich ja auch nur um Auszüge. Die überwiegende Anzahl der Prüflinge zeigte sich stets gut vorbereitet.
    Aber die Texte sollen ja lustig und unterhaltsam sein, sowie zum Nachdenken anregen. Bei „Pleiten, Pech und Pannen“ zeigt man ja auch nur die kleinen, gefilmten Alltagspannen und nicht das was gutgegangen ist.

    Zum Thema Studiengebühren: Sie haben auch da Recht; zu meiner Zeit kostete das Studieren noch keine Studiengebühren. Aber Studieren war schon immer teuer, vor allem wenn man auswärts studierte und keine Eltern hatte, die einem jeden Monat einen Scheck schicken konnten.

    Mit der Rente sehe ich das nicht so, daß sich die Renter von den Jüngeren aushalten lassen. Vielmehr handelt es sich hier um ein Solidaritätsprinzip. Wer Rente bekommt, hat bis zum Eintritt ins Rentenalter in der Regel seinerseits die Rentner ernährt.

  24. Kate sagt:

    Nunmal langsam mit den buttrigen Fischen….

    Nur Fernsehen und Internet (und am besten noch böse Killerspiele, was?) zu beschuldigen und zu erwähnen, das Kinder einfach nur faul und bockig sind, bringt’s ja auch nicht.

    Ich habe ein mäßiges Abitur (2,4) bin aber selbst entsetzt welche Arbeitsmoral an der Uni herrscht. Ich habe mir Denkfächer rausgesucht (Sinologie (Chinesisch) und Religionswissenschaft). Viele unserer Dozenten geben sich echt Mühe und stellen nichtmals sehr hohe Ansprüche (von wegen mündlichen Prüfungen „nur den Stoff bis zu den Weihnachtsferien“, 10 Seitige Hausarbeiten „bis Semesterende, aber gerne auch noch 2–3 Wochen drauf…) trotzdem ertappe ich mich dabei, schonmal die Stunde zu leiten.
    Das kenne ich ja schon aus der Schule (Reli, Chemie, Deutsch, Geschichte…), dass ich die Einzige bin, die sich mal erbarmbt und sich meldet‑ und warum? Weil ich mich zu Tode langweilen würde, wenn ich nur rumsitze.
    Ich weiß nicht wie andere das schaffen.

    Da stellt unser Dozi ganz simple Aufgaben: Textlesen, grob merken. Wer’s schön Vorträgt kriegt ein Buch‑ aha, jetzt muss er uns also schon bestechen.
    Das ich jetzt diejenige bin, die ein Buch mehr im Regal stehen hat, muss ich nicht erwähnen, oder? (Doch muss ich *hust*).
    Aufgrund meines schwachen Abis rühme ich mich nicht sonderlicher Intelligenz sondern eher einer Art Redezwang, aber wenn der Dozent 10 Minuten lang (!) bettelt (!) dass mal jemand was sagt, ist das traurig :( Mir wird da schon der Mund verboten weil ich in einer Stunde den Gilgameshepos (den ich schon auswendig kenne), das alttestamentarliche Jenseits und eine Jesaijastelle vorgestellt habe.
    Tropf.

    Meine Mutter (Jahrgang 1953) hatte Kurzschuljahre auf einer normalen Volksschule. Gegen die Leute heutzutage ist sie ein Professor, ein lebendes Lexikon!
    Man kann sie alles fragen was mit Geschichte, Politik etc. zu tun hat und unsere drei Berufsschulen im Umkreis kloppen sich um die Praktikumsstellen in ihrem Betrieb (sie nimmt nur max. 2 auf einmal) weil die wissen, dass selbst Problemschüler danach mit einer guten Portion Allgemeinwissen gehen.

    Letztes Jahr allerdings hatte sie eine Dame, die sie in den Wahnsinn trieb… in das Mädchen ging einfach nichts hinein, und was sie ihr mühsam beibrachte, war am Ende wieder futsch… wie durch ein Sieb.

    Was ich eigentlich sagen wollte:

    Unser Bildungssystem ist beschissen!
    Ich mag kein Genius sein, aber trotz meiner vorhandenen Internetsucht und einer Prise Faulheit sowie div. gesundheitlichen Defiziten schaffe ich meinen Teil, ich geb mir wenigstens Mühe. Aber es ist dennoch kaum zu schaffen.
    Warum?

     – Lehrermangel
    Als ich von der Realschule auf das Gymnasium wechselte gab es noch 113 Lehrer an meiner Schule. Ein jahr später waren es 86, als ich Abging blieben 54. Das ist mehr als *rapide*.

     – Mangelausbildung der Lehrkräfte.
    Unsere Biolehrerin hatte nichtmal Mathekenntnisse über die 6. Klasse hinaus, schätzungsweise. Geschichtslehrer kamen mit der Rechtschreibung nicht hin, Englischlehrer kannten Oscar Wilde nicht oder sprachen „englisches Deutsch“, sprich deutsche Sätze mit englischen Wörtern.
    Dazu gab es dann unendlich faule Exemplare die im Geschichtsunterricht (!) Gruppenarbeiten veranstalten und diese natürlich nicht begleiteten, wie es eigentlich sinnvoll wäre, sondern sie als Beschäftigungstherapie einsetzten

     – Mangelnde Curricula

    Wenn sich mal ein Lehrer Mühe gibt etwas Wissen in die kleinen Orks vor seiner Nase einzuprügeln, bleibt ihm durch die Curricula wenig Luft.
    Wir hatten im Deutsch LK nach den mickrigen NRW Standards Werther, Woyzeck (warum auch immer), Faust, Kafka und einen bizarren modernen Roman. Eigentlich waren noch sprachkundliche und sprachgeschichtliche Module vorgesehen, die allerdings nur in einer schlechten 7-Stunden Version von Anglizismen und Worthülsen endeten.
    (in dem selben Kurs befanden sich 25 Schüler von denen 4 mündlich aktiv waren. Zudem war ich die beste in Rechtschreibung…. mit 7 Rechtschreibfehlern auf 4 Seiten Klausur!)

     – mangelndes System
    Es gab genau zwei Wahlmöglichkeiten: Zwei Naturwissenschaftliche Fächer oder zwei Sprachen. Als Realschüler wurde man in die zwei Sprachen Sparte gezwungen, selbst wenn es einem gar nicht lag, man durfte nur eine Naturwissenschaft wählen….
    diese fiel auch noch weg, weil es kurzweilig nicht einen einzigen Biologielehrer an der Schule gab.
    Es wird auch nie überprüft ob ein Lehrer seine Arbeit tut oder nur rumhängt. Ich kann verstehen, dass viele Lehrer keinen Bock mehr haben, wirklich, ich werde in zwei Monaten auch regelmäßig vor lustlosen Studenten stehen, aber wie sollen Schüler Interesse zeigen, wenn sogar der Lehrer bereits aufgegeben hat?

     – Schulzeitverkürzung

    halte ich für den größten Unsinn des Jahrhunderts. Der selbe Stoff wird auf 2 Jahre gequetscht, ohne aber mehr Lehrer einzustellen, Angebote zu erweitern oder die Schüler sonstwie zu unterstützen.

    Die Kinder werden zu Lernmaschinen gemacht, ich hatte in den letzten 3 Jahren meiner Schulzeit jedenfalls keine freien Nachmittage für die Bewegung, die ich angeblich so dringend brauchte. Ich saß oft bis 19 Uhr in der Schule. Und es war keine Ganztagsschule, ich hatte dann halt ne Stunde um 8, um 10, um 14 und um 17 Uhr.
    Wenn man da einmal rausfällt läuft alles wie in einem Film an einem vorbei, besondere Förderungen gibt es nicht, nicht umsonst erhält schon jeder Dritte Schüler Nachhilfe, bald wird es jeder Zweite sein‑ die Schule packt es einfach nicht! Sie kann das was sie verlangt nicht in so kurzer Zeit vermitteln, nicht mit diesem Mangel an Personal!
    Und dann schalten die Leute ab und werden zu den Horrorvisionen, denen wir heute entgegen laufen.
    Wie oft habe ich schon gehört „Geschichte? Ist doch langweilig! Wofür braucht man das?“ und oft aus dem selben Mund „Hitler? Der war doch cool! Der hat Autobahnen erfunden!“ Autsch.

    Was kann man daran ändern?

     – mehr Lehrer. Alle schreien nach Lehrern, dutzende rennen an die Uni und wollen welche werden. Wie wärs wenn man die Lehrer die ausgebildet sind mal einstellen würde? Unser letzter Sportlehrer hatte Deutsch/Sport gelernt und bekam mit 45 (!) das erste mal eine Stellung als Lehrer, davor hat er sich als Fahrer durchschlagen müssen.

     – mehr Organisation. Verwaltung muss durchsichtiger werden, Schüler sollten ihre Rechte kennen damit sie ihr Recht auf guten Unterricht auch durchsetzen können! Stundenpläne müssen so aufteilbar sein dass jedem das lernen in angemessenen Gruppen möglich ist, aber das geht nicht ohne das entsprechender Personal!

     – mehr Kommunikation. Eltern, Schüler und Lehrer müssen mehr miteinander reden. Es gibt genug Schüler deren Eltern ein Lehrer noch NIE gesehen hat, die nie auch nur an der Schule waren!

     – Elterninitiative erzeugt Lehrerinitiative. Wenn die Eltern schon zur Null-Bock-Generation gehören, was soll dann aus ihren Kindern werden?
    Es ist wichtig, dass:
    – sie einen Blick auf die Leistung ihrer Kinder haben
     – sie sich zusammenschließen gegen Missstände an der Schule und auch bereit sind, wirklich etwas dagegen zu tun z.B. mit der Organisation von Teestuben oder Zusatzkursen!
     – sie den Mut haben, den Lehrer anzusprechen, wenn er offenscheinlich Mist baut, und sich voll für ihre Kinder einzusetzen, damit sie ihr Recht bekommen.
     – sie gleichzeitig vernünftig genug sein müssen, dem Lehrer nicht in den Rücken zu fallen, wenn er Recht hat. Man muss akzeptieren, dass die eigenen Kinder keine Goldstücke sind. Und wenn man einen Mobber erzogen hat, muss man auch etwas dagegen tun und nicht den Lehrer fertig machen, weil man es nicht wahr haben will.

    Schüler sind darum Schutzbefohlen, weil sie sich nicht wehren können. Sie BRAUCHEN ihre Eltern!
    Und es hilft nicht wenn diese dann sagen „Ich misch mich da nicht ein, der Jung soll zur Schule gehen und gute Leistungen bringen, meine Eltern haben sich auch nie eingemischt und aus mir ist trotzdem was geworden…!“
    Das ist der falsche Weg!

    Denn leider gilt für die Lehrer das selbe wie für die Schüler: Sie sind nicht mehr so dizipliniert wie früher!

    Und nur wenn Lehrer und Eltern mit den Schülern zusammenarbeiten, kann aus der Sache etwas werden.

    Alles andere führt zu Zerfall, Demotivation und Volksverdummung.

    Das ist jetzt länger geworden als ich wollte. But well. Es lag mir auf dem Herzen.

    lg
    Kate

  25. Vielen Dank für die Stellungnahmen. Ich finde es hochinteressant diese Meinungen zu lesen.

  26. […] 1. Pisa läßt grüßen 2. Pisa läßt grüßen –2–3. Schulwissen heute 4. Alle lustigen Geschichten findest Du hier! […]

  27. Im Übrigen möchte ich noch ergänzen, daß es sich bei der Sendung „Straßenstars“ keineswegs um eine der Sendungen handelt, bei der überfallartig irgendwelchen Passanten das Mikrophon unter die Nase gehalten wird und man ihnen veralbernde Fragen stellt.

    Bei „Straßenstars“ bewerben sich die Kandidaten und werden nach der positiven Auswahl auf der Straße vom Moderator befragt. Hierbei werden ⅰ.d.R. ganz normale Fragen aus dem Alltag (Beispiel: Trinkst Du lieber Kaffee oder Tee?) und dem Allgemeinwissen (Nenne die Mitglieder der BEATLES mit Namen!) gestellt.
    Bevor die Antwort des Kandidaten bekanntgegeben wird, müssen Prominente im Studio eine Voraussage über die mögliche Antwort treffen und dafür Punkte setzen.

    Die Sendung lebt also nicht von dem Effekt, daß Menschen durch das urplötzliche Auftauchen eines Reporters verunsichert werden und sich zu blöden Antworten hinreißen lassen, sondern gewinnt ihren humorigen Aspekt dadurch, daß man im Verlaufe der Sendung glaubt, die Straßenstars etwas kennenzulernen (Beruf, Alter, Vorlieben) und dann oft überrascht ist, wenn sie einfachste Fragen nicht wissen oder dann doch eine Frage beantworten, bei der man es nicht vermutet hätte.

  28. @Bismarck: Ich finde auch nach nochmaligem Lesen meines Artikels nichts Verwerfliches daran, wie ich meinen Sohn geschildert habe. Ich habe zwei Kinder, eben diesen fast 13jährigen Sohn und eine 9jährige Tochter. Kinder sind nunmal sehr unterschiedlich. Das Mädchen formuliert Sätze, daß meine Frau und ich uns oft anschauen und uns fragen, wo sie das wieder her hat. Der Große hingegen ist kein „Mann“ der großen Worte. Er ist eher etwas grobmotorisch, dennoch praktisch veranlagt und will vielleicht mal Ingenieur werden. (oder Verkäufer an der Tankstelle, sagt er).
    Aufsätze sind nicht sein Ding, wie man heute so sagt. Aber er kann Aufsätze schreiben und die sind üblicherweise gar nicht mal so übel.
    Mir ging es in diesem Artikel auch gar nicht darum, seine schlechten Leistungen herauszustellen, sondern die Tatsache, daß dieser konkrete Aufsatz mal vollkommen in die Hose gegangen ist, er aber trotzdem eine gute Note dafür bekommen hat. DAS ist der Punkt, den ich anprangere.

    Vor zwei Jahren musste er einmal eine Weltkarte zeichnen. Vielleicht sind da 10–11jährige mit überfordert. Jedenfalls lag seiner Meinung nach Deutschland am Ecuador (sic!) und der Nordpol mitten in der Sahara, direkt neben Südpolen (sic!). Darüber mag man schmunzeln, Sie mögen es wieder als Denunziation der schlechten Leistungen meines Kindes werten, ich prangere an, daß die Lehrerin daruntergeschrieben hat: „So ist es gut! Das hast Du fein gemacht.“

    Nein, hat er nicht! Die Erde ist seiner Zeichnung zufolge eine viereckige Platte und es hat die Lehrerin der folgenden Jahrgangsstufe ein halbes Jahr Arbeit gekostet, allen Kindern in der Klasse klar zu machen, daß man nicht von der Erde herunterfallen kann, wenn man hinter Schwäbisch-Hall nach links abbiegt.

  29. Kate sagt:

    Sowas sind ja auch keine Erziehungsmethoden oO
    Ich würde das schon fast antiautoritär nennen, „Ja, ist zwar völlig falsch, hast du aber toll gemacht, weil ist ja gut für deine Entwicklung…“
    Nein ist es nicht oO

    Meine Güte, zu meiner Zeit *Gebiss such und das mit 21* hatten wir in der 4. Klasse (10–11 jährig) gefälligst schon die Hauptstädte der EU zu kennen, geschweige denn zu wissen wie ne Erdkugel aussieht.

    Da kriegt man ja Angst…

  30. Es ist wirklich erschreckend. Meine Frau und ich arbeiten so viel mit den Kindern zusätzlich. Nicht weil wir besonders ehrgeizig wäre, sondern weil das was in der Schule gemacht wird, einfach nicht reicht.
    Ich könnte hier Beispiele ohne Ende anführen, aber dann denken andere wieder, ich wolle mich auf Kosten der angeblichen Dummheit meiner Kinder hier profilieren. ;-)

  31. Kate sagt:

    Nein, nein, ich finde du hast da vollkommen recht.
    Meine Grundschulbildung ist ja schon dürftig. Ich hatte auf der Realschule echt Probleme und bis zur 7. gestrauchelt, ganz einfach weil vor allem die Deutschkenntnisse miserabel waren, Diktate u.ä. wurden später einfach viel zu selten und was Allgemeinwissen ist wusste man wirklich nicht.
    Mir wurde ein umfangreiches Allgemeinwissen bestätigt weil ich mit 6 wusste was der Unterschied zwischen einem Kamel und einem Dromedar ist *Vogelzeig*

    Achja, das wollte ich nur erwähnt haben. Das mit Hitler überrascht mich gar nicht, es wird wirklich nur noch über Hitler gesprochen und von fast nichts anderem mehr.
    Im Geschichts LK war mein Lehrer SO glücklich mit uns zum letzten mal die Weimarer Republik machen zu dürfen.
    Außer uns 11 Leuten wusste NIEMAND im Jahrgang was die WR eigentlich ist/war.
    Und zukünftig wird sie wohl ganz in Vergessenheit geraten. Genau wie das Mittelalter (Karl der Große, Investiturstreit etc.) fliegen nämlich auch aus dem NRW-Lehrplan. Toll, oder?
    Man wird also bis zur gymnasialen Oberstufe 1 × 1. Weltkrieg, 2–3 x Drittes Reich, 3–4 x Französische Revolution durchnehmen und mit etwas Glück nochmal in den Genuss von Nachkriegszeit kommen, damit man wenigstens weiß, wer Adenauer ist, wenn einem schon Helmut Schmidt, Schröder, die RAF und der Mauerfall vollkommen abgehen.

    lg
    Kate

  32. Joachim Rumann sagt:

    Ich las grade deinen Bwericht über den AUfsatz deines Sohns oder Sohnes, bin mir da jetzt nicht sicher.
    Bei mir war es so: Aufsätze höchstens 4, meistens 5.
    Diktate 1 oder 2.
    Das war in der Realschule. Ich hatte als Abschlußzensur eine 4 in Deutsch, in Englisch eine 3

    Als ich in der Fachoberschule war, hatte ich mit meinen Aufsätzen mindestens eine 3 manchmal auch eine 2.

  33. Die Anforderungen an den verschiedenen Schulen und bei verschiedenen Lehrern sind sehr unterschiedlich. In einem Jahr hat man in einem Fach eine 2 und im nächsten Jahr bei einem anderen Lehrer eine 4.

  34. snafu sagt:

    Was soll man in der Schule auch groß lernen, wenn eine Klasse aus 32 Schülern und einem demotivierten Lehrer besteht und den lieben Kleinen schon von ihren Eltern eingeimpft wurde das die Schule nutzlos ist… Was ich während meiner bisherigen Laufbahn(Ausbildung, Arbeit, Zeitsoldat…) und auch jetzt beim Nachholen des Abiturs so alles gesehen, gehört und gelesen habe, nimmt mir immer mehr die Hoffnung, das aus unserem Schulsystem noch etwas annehmbares herauskommt. Traurig, aber wahr!

    Grüße aus Bayern

  35. Schon wahr, aber andererseits gehöre ich zu einem der sogenannten geburtenstarken Jahrgänge und wir waren 4 Parallelklassen mit jeweils über 40 Schülern und das im Gymnasium.

  36. snafu sagt:

    Respekt! Ich kann mir zwar gut vorstellen, das es damals(so ganz ohne Handys und MP3-Player) für den Lehrer noch etwas leichter war die ganze Rasselbande unter Kontrolle zu haben. Zu meiner Realschulzeit hat die Mathelehrerin gerne auch mal mit dem 2-Meter-Kunststofflineal auf den Tisch gehauen und es herrschte Ruhe. Heute erzählt das einer seinen Eltern, die schreiben gleich einen bitterbösen Brief, gründen Elterinitiativen oder bemühen bei entsprechendem Einkommen der Erzeuger gleichen mal einen Anwalt. Die gute alte Zeit(ich höre mich schon an wie meine Eltern :-) )….

  37. Jasmin sagt:

    Ich liebe dich.
    Doch liebst du mich?
    Liebst du mich?
    Fals nicht
    Vergess ich dich.

  38. Jasmin sagt:

    Hi was Hört ihr so für Musik?
    (das ist das neue Thema)