Für meine Frau haben wir jetzt ein Auto angeschafft und weil man sowas heute übers Internet macht, wollte ich auch die nötige Haftpflichtversicherung online abschließen. Eile war geboten, schon am nächsten Tag wollte der Typ vom Zulassungsdienst kommen und die Papiere erledigen. Hoffentlich klappt das mit der Deckungskarte dachte ich und erinnerte mich an eine Zulassung vor anderthalb Jahren, da mußte ich geschlagene 2 Tage warten, bis die Versicherung endlich online als E-Mail-Anhang die Doppelkarte zusandte. Außerdem bestand damals noch das Problem, daß nicht alle Zulassungsstellen die selbst ausgedruckten Deckungskarten annahmen.
Dieses Mal war ich aber angenehm überrascht.
Denn ich klicke mich in das Kundencenter der Online-Versicherung ein und erlebe zunächst einmal eine herbe Niederlage. Die sorgsam in meinem Archivordner aufbewahrte Mail vom Versicherer mit den Zugangsdaten zum „ganz persönlichen Kundenservicebereich“ entpuppt sich als Nullnummer: Die Anhänge der Mail sind verschlüsselt, die Passwörter lassen sich nicht öffnen. Da hätte ich mir das archivieren auch sparen können…
Doch ich schreibe mir Passwörter immer auch auf meine geheime Liste und die gab mir dann das „Sesam‑öffne-Dich“ preis.
Die gesamten Kundendaten fand ich daraufhin vorausgefüllt und mußte nur noch die Fahrzeugdaten eingeben. Hier offenbart sich ein gewisser Nachteil des Online-Systems, man kann nämlich keine Daten „blind“ eingeben oder frei lassen. Manchmal möchte man ja einfach eine Blanko-Deckungskarte, beispielsweise weil man zu einem großen Gebrauchtwagenmarkt fährt und noch gar nicht weiß, mit was für einem Fahrzeug man vielleicht nach Hause kommt. Das geht, so wie ich das sehe, mit den meisten Online-Systemen nicht. Man muß schon ganz exakt das Fahrzeug, bis hin zur Fahrgestellnummer, angeben.
Das war in unserem Fall aber kein Problem und so dauerte es tatsächlich nur vier Minuten, bis ich die entsprechenden Sachen eingetippt hatte und dann…
…ja dann muß man sich erst einmal die Versicherungsbedingungen herunterladen und bestätigen, daß man dieses bibeldicke Machwerk auch wirklich komplett gelesen hat.
Eigentlich könnte ich mit folgenden Versicherungsbedingungen leben: „Wir zahlen Deinen Schaden, wenn Du keinen Scheiß gebaut hast und die Prämie bezahlt ist.“
Das sieht die Versicherung, vermutlich aus gutem Grund, völlig anders und liefert jede Menge PDF-Futter.
Aber ich will nicht unken, das hat ja wirklich alles seinen Grund und seine Richtigkeit und nach nur insgesamt 8 Minuten habe ich tatsächlich eine Mail im Posteingang, die eine Bestätigung für die Zulassungsstelle und einen geheimnisvollen Code wie z.B. CQG690XX enthält. Das reicht heute! Die Zulassungsstellen sind mit einem Rechner der Versicherungen vernetzt und anhand dieses Codes kann dann in der Zulassungsstelle alles erledigt werden, prima Sache!
Den Code kann man sich bei manchen Versicherungen auch aufs Handy schicken lassen und so die Versicherung quasi abschließen, während man in der Zulassungsstelle wartet…
Der Zulassungsfritze hatte mir gesagt, ich solle möglichst ein Wunschkennzeichen reservieren, das kostet nun 2,60 mehr wenn man das online macht. Denn ausgerechnet bei unserer Zulassungsstelle hat er nicht oft zu tun, kommt nicht in den Genuss irgendwelcher Sonderbehandlungen und wenn man aber ein Wunschkennzeichen beantragt hat, kann man dort an den Sonderschalter und wird schneller bedient. Ich weiß nicht, ob das wirklich was hilft, aber ein Wunschkennzeichen wollte ich sowieso. Ich kann mir meine Autonummer sowieso nie merken und da ist es mir immer lieb, wenn ich irgendwas auf den Blechen stehen habe, was ich mir eventuell doch einprägen kann, ‚ne Schnapszahl oder sowas.
Meistens nehme ich irgendwas mit der Ziffernkombination 666. Als erzfrommem Kirchenheuchler hat die Zahl für mich keine tiefere Bedeutung, bis mir mal eine esoterisch angehauchte Nachbarin mit gesenkter Stimme einen Gruß von Belial ausrichtete und mit den Fingern so zwei Teufelshörner zum Gruße formte und mich ganz verschwörerisch anschaute. Die 666 ist das Zeichen des Antichristen, des Bösen, die Zahlenfolge Satans!
Na denn! Ich kann sie mir einfach nur gut merken.
Nun gebe ich also den Namen des Ortes der Zualssungsstelle und das Wort Wunschkennzeichen ein und lande auf einer schönen blauen Internetseite. Dort kann ich dann tatsächlich mein Wunschkennzeichen eingeben, es ist auch das Originalprogramm auf das mich auch die Zulassungsstelle geleitet hätte. Doch ich merke sofort, daß es sich hier um das Angebot eines Schilderversenders handelt, der einem diese kostenlose Dienstleistung nur vorschiebt, um dann wesentlich überteuerte Kennzeichen per Post hinterher zu schicken. Da kann ich gar nichts mit anfangen, ich will mein Auto am nächsten Tag zugelassen bekommen und brauche keine Nummernschilder aus dem Internet, die erst nach 48–72 Stunden per Post kommen…
Nee, 10 Meter weiter im Internet gibt es tatsächlich die Wunschkennzeichenseite der Zulassungsstellen und da kann man, optisch sehr schön gelöst, sogar mit Platzhaltern operieren und sich sein ganz persönliches Kennzeichen zusammenklicken. Das klappt supertoll und auch hier kann man sich wenige Minuten später einen Reservierungsschein ausdrucken lassen.
Das alles habe ich Montagabend gegen 21 Uhr gemacht und am Dienstagmorgen um 9 Uhr war der Mann vom Zulassungsdienst schon mit dem zugelassenen Wagen bei mir.
20 Eulen habe ich für seine Bemühungen gezahlt und zwar gerne bezahlt! Ich sparte mir die Fahrt in die nächste Kreisstadt, das Warten, die Nervosität ob meiner Vergesslichkeit bestimmter Formulare usw. Das ist mir locker 20 Euro zusätzlich wert.
Die Nummernschilder habe ich auch noch für den halben Preis bekommen, weil mir der Zulassungsmann erklärte, man müsse bei der Schilderfirma nur schon beim Reinkommen sagen, man bräuchte eine Quittung für die Polizei in XYZ-burg, dann bekommt man den Behördentarif…
Klappte also alles prima, nur mein Wunschkennzeichen im Internet muß man aufpassen, da landet man schnell auf einer günstig bei Google plazierten Seite, die extra viel Geld verlangt, wie ich finde, und bei der man dann dooferweise noch auf den ja nicht immer ganz zuverlässigen Postversand warten muß.
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Großartig geschrieben und wie immer ein Fest zu lesen!
Weiter so, das Blog ist richtig klasse.
Besser hätte ich es auch nicht sagen können.
Danke, sehr unterhaltsam.
Und was ist jetzt die für „uns“ passende Wunschkennzeichenseite?
Grüße von der Insel
Die Wunschkennzeichenseite erreicht man direkt über die Seiten der jeweiligen Zulassungsstelle. Jenachdem wo man sein Auto zulassen will sucht man sich zuerst die Seite der Zulassungsstelle und wählt dort dann –sofern angeboten‑ die Funktion „Wunschkennzeichen reservieren“.
Die Zulassungsstelle für den Rhein-Neckar-Kreis hat die URL:
rhein-neckar-kreis.de/servlet/...
Die Wunschkennzeichenseite des Rhein-Neckar-Kreises hat die Adresse:
https://kfz.virtuelles-rathaus...
@Leroi: